Klimastation Gundersheim, 193 m ü. NN

Gundersheim, Lithographie von D. Wohlgemuth

Gundersheimer Wappen

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© Dipl.-Geogr. Martin Werner

Höhenkarte von Rheinland-Pfalz
Höhenkarte von Rheinland-Pfalz


Mittlerer Jahresniederschlag

in Rheinhessen

Mittlerer Jahresniederschlag in Rheinhessen

Gundersheim   liegt an der schon in prähistorischer Zeit existierenden Achse Worms - Alzey - Bingen. Die Gunst der Lage war in zweifacher Hinsicht ein Glücksfall für die Gemeinde und ihrer Bewohner. Schon 1863 wurde die Bahnstrecke Worms - Alzey in Betrieb genommen und sieben Jahre später bis Bingen erweitert. Dadurch wurde die Infrastruktur des "Hinterlandes" wesentlich verbessert. Doch der Durchbruch gelang erst mit der Fertigstellung der Verbindung Alzey - Mainz.

Jetzt war der Zugang zu den Ballungsräumen und den sich rasch entwickelnden Industriemetropolen Mainz - Wiesbaden - Frankfurt im Norden, und Worms - Ludwigshafen - Mannheim im Süden erschlossen.
Die hiesige Wirtschaftsstruktur und der dörfliche Charakter der davon betroffenen Gemeinden wurde dadurch nicht wesentlich beeinflußt. Dann, fast genau hundert Jahre später wurde eben auf der gleichen Achse die linksrheinische Autobahn (BAB 61), im Volksmund auch "Rheinhessenlinie" genannt, gebaut. Ausschlaggebend dafür war die zunehmende Motorisierung nach dem 2. Weltkrieg im zusammenrückenden Europa.

Damit war Gundersheim bzw. Rheinhessen an das moderne europäische Verkehrsnetz angeschlossen worden. Die ansässigen Winzer und auch die Übernachtungsbetriebe waren die ersten, die durch die unmittelbar am Ortsrand befindlichen Ausfahrten davon profitierten. Später siedelten sich im Gundersheimer Gewerbepark, der direkt an der Autobahn von der Ortsgemeinde errichtet wurde, einige Betriebe an. Mittlerweile ist der Anschluß Gundersheim mit der Nummer 56 für viele Urlaubsreisende aus nah und fern ein fester Begriff geworden.

Räumliche Lage von Gundersheim:

Lagekarte von Gundersheim in Rheinhessen



Topographische Lage   Rechts-/Hochwert: 3442200 / 5506400
Geographische Länge und Breite: 8° 11' / 49° 42'

Gundersheim liegt zwischen Alzey und Worms im südöstlichen Teil des Rheinhessischen Tafel- und Hügellandes.

Großräumlich betrachtet ist das Rheinhessische Tafel- und Hügelland, wenn man den Rheingraben noch hinzunimmt, idyllisch in die umliegenden Mittelgebirge eingebettet: im Norden und Nordwesten das Rheinische Schiefergebirge, im Westen das Nordpfälzer Bergland, im Süden der Pfälzerwald und im Osten der Odenwald. Geöffnet ist es nach Nordosten in Richtung Frankfurt zur Wetterau hin beziehungsweise nach Süden Richtung Ludwigshafen in den Oberrheingraben hinein. Streng betrachtet ist Rheinhessen ein Hochplateau und nur durch breite Ausraumzonen unterbrochen. In diesen Tälern und an deren Hängen liegen alle Siedlungen und niemals auf den Hochflächen selbst.Ausnahme hiervon ist lediglich Hochborn, das etwas über der Abbruchkante liegt.

Nach Entwässerungs- und Trockenlegungsmaßnahmen konnten die Talsohlen erst viel später in die Siedlungen einbezogen werden. So geschützt durch die umliegenden Mittelgebirge und vielerorts durch den Schutz der Hochplateaus sind die klimatischen Verhältnisse nicht zuletzt aufgrund der Lage und der Gunst der natürlichen Bedingungen dementsprechend sehr gut. Rheinhessen ist nicht umsonst eines der bedeutendsten und das mit 25000 ha größte Weinanbaugebiet Deutschlands.

In Gundersheim sind die klimatischen Verhältnisse ähnlich wie überall in Rheinhessen, jedoch wesentlich ausgeprägter. Die sogenannte Gundersheim - Eppelsheimer Ausraumzone liegt zwischen dem nördlich gelegenen Hochborner Plateau und dem südlich gelegenen Zeller Plateau und zieht sich südöstlich mit Öffnung zum Oberrheingraben hin.

Das Klima

Aufgrund seiner topographischen Lage weist Gundersheim eine klimatische Besonderheit auf. Diese Eigenheit besteht in einer Leelage zu den vorherrschenden, überwiegend aus westlichen Richtungen kommenden Winden, was sich insbesondere bei den advektiven Winterniederschlägen deutlich bemerkbar macht. Diese Situation ist zwar für den Großteil des Rheinhessischen Tafel- und Hügellandes charakteristisch, aber im Falle von Gundersheim in besonderem Maße ausgeprägt.

Die in westlicher Richtung Rheinhessens gelegenen Mittelgebirge Ardennen, Eifel, Hunsrück, Saar-Nahe-Bergland und Nordpfälzer Bergland mit seinem markanten "Eckpfeiler" Donnersberg, als höchste Erhebung der Pfalz (687 m ü.NN), bedingen orographische Niederschläge, so daß die regenbringenden atlantischen Luftmassen bereits beim Überqueren dieser Barrieren einen großen Teil ihrer Feuchtigkeit verlieren. In den genannten Regionen werden daher Jahressummen von 800 - 1100 mm erreicht. Die mesoskalig relevanten Faktoren für die topoklimatische Besonderheit von Gundersheim sind einerseits der sich trichterförmig nach Osten öffnende Windschatten des Donnersberges und andererseits liegt das Ortsgebiet von Gundersheim im Bereich eines östlich exponierten Mittelhangbereichs des Zeller Plateaus, welcher Teil der nach Südosten verlaufenden Ausraumzone des Seebaches ist. Die Talzone öffnet sich zur Oberrheinischen Tiefebene. Diese zusätzliche Lage im Lee des Plateaus unterstreicht die topoklimatische Besonderheit, so daß im Falle von Gundersheim von einer ausgeprägten "Mehrfach-Leelage" gesprochen werden kann.

Im Jahresdurchschnitt empfängt Rheinhessen eine Niederschlagsmenge von 500 - 600 mm und gehört damit zu den regenärmsten Regionen Deutschlands. Die Stationen Mainz (585 mm), Worms (584 mm) und Ober-Olm (561 mm) erzielen die höchsten Jahressummen, wogegen die niedrigsten Werte in Alzey (523 mm), Hochborn (522 mm), Flonheim (519 mm) und Wöllstein (514 mm) gemessen werden. (Diese Angaben beziehen sich auf einen Beobachtungszeitraum von 1936 - 1985). Gundersheim besitzt eine extreme Leelage zu den niederschlagsbringenden Winden aus West und Südwest, so daß hier ähnlich wenige oder sogar noch weniger Jahresniederschläge erwartet werden können.

Dieser Fragestellung wird in einer Langzeituntersuchung nachgegangen.